Was passiert bei einem Bandscheibenvorfall?

Unsere Wirbelsäule besteht aus 24 beweglichen Wirbeln, die durch Bandscheiben miteinander verbunden sind. Diese wirken wie kleine Stoßdämpfer und bestehen aus einem weichen Gallertkern (Nucleus pulposus) und einem festen Faserring (Anulus fibrosus).
Nahaufnahme der Osteopathin, die den Kopf einer Patientin in Rückenlage behandelt.

Kommt es zu einer Überlastung, Fehlhaltung oder altersbedingten Veränderung, kann der Faserring einreißen. Der Gallertkern wölbt sich dann nach außen oder tritt sogar teilweise aus. Wenn er dabei auf Nervenwurzeln drückt, entstehen die typischen Symptome:

  • Rückenschmerzen, oft plötzlich und stark
  • Ausstrahlende Schmerzen ins Bein (Lendenwirbelsäule) oder in den Arm (Halswirbelsäule)
  • Kribbeln, Taubheit oder Muskelschwäche

Ein Bandscheibenvorfall ist also nicht nur ein lokales Problem. Er beeinflusst das gesamte Nervensystem und die Körperhaltung.

Wie kann Osteopathie bei Bandscheibenvorfall helfen?

Die Osteopathie betrachtet den Körper als funktionelle Einheit: Knochen, Muskeln, Faszien, Organe und das Nervensystem stehen in ständiger Wechselwirkung. Ist irgendwo eine Spannung, wirkt sie sich auf andere Bereiche aus.

Bei einem Bandscheibenvorfall arbeitet der Osteopath daher nicht nur an der schmerzenden Stelle, sondern sucht nach den Ursachen für die Überlastung:

  • eingeschränkte Beweglichkeit einzelner Wirbel oder Beckenanteile
  • verspannte Rückenmuskulatur
  • verklebte Faszienstrukturen
  • eingeschränkte Durchblutung oder Lymphzirkulation

Mit sanften manuellen Techniken versucht der Osteopath, diese Spannungen zu lösen, die Beweglichkeit der Wirbelsäule zu verbessern und die Versorgung der betroffenen Nervenwurzeln zu fördern. Ziel ist es, dem Körper zu helfen, sein Gleichgewicht wiederzufinden, damit Heilungsprozesse besser ablaufen können.

Was sagen wissenschaftliche Studien?

Die Studienlage zur Osteopathie bei Bandscheibenproblemen wächst stetig.

  • Eine Übersichtsstudie (Licciardone et al., Pain Medicine, 2013) zeigte, dass osteopathische manuelle Behandlung chronischer Rückenschmerzen signifikant zur Schmerzlinderung und Funktionsverbesserung beitragen kann.
  • Eine weitere Untersuchung (Bialosky et al., Spine Journal, 2018) betonte, dass manuelle Techniken neurophysiologische Effekte haben – sie beeinflussen Schmerzverarbeitung, Muskelspannung und Durchblutung.
  • Besonders bei funktionellen Beschwerden nach einem Bandscheibenvorfall, wenn keine akute Nervenkompression mehr besteht, berichten viele Patient:innen von einer verbesserten Beweglichkeit und Lebensqualität.

Wichtig:

Bei akuten, starken Schmerzen oder neurologischen Ausfällen (z. B. Lähmungen, Blasen- oder Darmstörungen) muss es ärztlich abgeklärt werden. Osteopathie eignet sich vor allem zur Begleitung der Heilung oder in der Rehabilitationsphase.

When all parts of the human body are in line, we have perfect health.

A.T. Still (Begründer der Osteopathie)

Das sagen meine Patient*innen

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Wie wirkt Osteopathie?

Osteopathie ist eine sanfte, ganzheitliche Behandlungsmethode, die mit gezielten Berührungen und Bewegungen Blockaden im Körper löst. Sie hilft dem Körper, sich selbst zu heilen, indem sie Verspannungen lockert, die Durchblutung verbessert und das Zusammenspiel von Muskeln, Gelenken und Organen harmonisiert.

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